These von Susan Funk, 22.06.2011

 

Ausgangsfrage:

„How can we create a new aesthetic of the superboring?“ (John Palmesino)

 

In der Bildinterpretation geschieht eine Selektion zwischen wichtigen und unwichtigen Ereignissen, eine Selektion zwischen den Ereignissen, die eine relevante spezifische Aussage treffen und denen, die keine Informationen vermitteln und deshalb meist nicht einmal gespeichert werden. Die Kategorien für diese Unterscheidung gibt die Wissenschaft vor und letzten Endes das geschulte Auge eines Experten.

Auch in der Kunst wird geurteilt. Hier ist es die Kunstrezeption, die Kriterien zur Wertung bereitstellt. Es geht um Erkenntnisziele und Eigenarten von Kunst und letztendlich darum, ob das jeweilige Kunstwerk relevante Informationen enthält oder nicht.

Meine Frage ist nun, ob man technische Bilder auch unter künstlerischen Aspekten betrachten kann, und somit unsere klassische Betrachtungsweise aufgebrochen werden kann. Kunstwerke wurden bis ins 18. Jahrhundert nach rein technischen Kriterien beurteilt, warum sollen technische Bilder also keine ästhetische Qualität besitzen?

Um zu gewährleisten, daß die heutige Technologie in der Kunst zu einer schöpferischen Anwendung gelangt, müssen demnach neue Zugangsformen zur Technologie entwickelt werden, die die traditionelle Gegenüberstellung von Maschine, Mechanismen , Technik und Technolgie mit dem Schöpfersichen, Kreativen und Imaginativen aushebelt.

 

Frage:

Wie kann ein Künstler mit technischem Material umgehen? Er kann es einerseits als Handwerkszeug nutzbar machen, um Kritik bzw. Aufklärung zu artikulieren, wie zum Beispiel Trevor Paglen, „der seine Aufmerksamkeit und die seiner Betrachter auf Vorgänge lenkt, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, aufgrund der Tarnung des Alltäglichen– man kann hier entweder an die zahllosen Code- und Decknamen für geheime Militärprogramme denken – oder aufgrund eines mangelnden politischen Bewußtseins und Interesses von einer Mehrheit der Bevölkerung schlichtweg nicht wahrgenommen werden. Trevor Paglen geht es in diesem Kontext um eine Schärfung unseres Bewußtseins, dass die sogenannte „Black World“ tatsächlich existiert.“[1]

Oder es kann als entfremdete Materie gelesen werden, die mit der Formalität der Technik experimentiert und keine weiteren Inhalte oder Kritik formuliert.

In beiden Fällen wird das Material aus seinem ursprünglichen Kontext herausgelöst (Informationsträger in wissenschaftlichem Umfeld) und in einen künstlerischen Kontext übertragen. Das Material kann in diesem Punkt mit einem Ready-Made verglichen werden: Kunstfremdes Material wird durch einen Autor, den Künstler, in einen musealen Kontext gebettet, verliert seine vorige Funktion und agiert fortan als Medium, das die Intention des Künstlers ausdrückt.

 

Wie ich weitermachen will:

  • Gottfried Boehm: Was ist ein Bild?, 1995
  • Gottfried Boehm: Wie Bilder Sinn erzeugen. Die Macht des Zeigens, 2007
  • Tim Ingold: The perception of the environment

 




[1] Leydolt, Pia auf: http://www.secession.at/art/2010_paglen_d.html (Stand 15.Juni 2011)